Schmackhafte Texte

eine Ente schmackhaft beschreiben, so geht es

Passend zur Vorweihnachtszeit habe ich mir mal ein Thema rausgesucht, das definitiv auch eine große Rolle für deine Marketingtexte spielt, und zwar nicht nur, wenn du Entenbraten verkaufst. Schmackhafte Texte, oder besser: Sprache, die alle Sinne anspricht.

Denn da gibt es ja einige von. Fragst du 5 Wissenschaftler, bekommst du 7 Meinungen dazu, wie viele Sinne wir Menschen eigentlich besitzen. Es sind auf jeden Fall mehr, als ich jetzt so auf Anhieb gedacht hätte. 

Aber das ist ja kein Wissenschaftspodcast, sondern einer, der sich um Texte und die Nutzung fürs Marketing dreht. Und da sind die Sinne entscheidend, die du sicher auch sofort auf dem Schirm hast. Hören, Schmecken, Sehen, Riechen und Fühlen.

Warum du dich mit bildlicher Sprache und den Sinnen beschäftigen solltest

Bevor wir richtig einsteigen, aber erstmal die Frage: Warum solltest du dich mit den Sinnen im Zusammenhang mit Sprache beschäftigen? Ganz simpel, weil es unterschiedliche Typen von Menschen gibt. Wir nehmen unsere Umwelt durch Sinne wahr. Welcher davon im Vordergrund steht, kann sich aber sehr unterscheiden. 

Spannenderweise zeigt sich das in der Sprache, die wir verwenden. Den einen schmecken schlechte Nachrichten so gar nicht, andere sehen Schwarz, wieder andere können sie nicht mehr hören, wieder anderen stinkt’s gewaltig  und einige fühlen sich elend dabei. Merkst du was?

Das Problem bei guten Texten ist oft, dass wir aus unserer eigenen Wahrnehmung heraus schreiben. Bist du eher olfaktorisch geprägt, spielen Gerüche also eine große Rolle, dann wirst du auch so schreiben. Verlierst aber die dabei, bei denen andere Sinne im Vordergrund stehen. Oder noch schlimmer, du lässt sie ganz raus. Denn dann kann ich deine Texte gar nicht fühlen. Und fühlen ist wichtig.

welche Sinne sprichst du an?

Fakten vs. Emotionen

Wahrscheinlich hast du schon oft gehört, dass du nicht über Fakten verkaufst, sondern über Emotionen. Und ja, das ist tatsächlich so. Selbst der abgebrühteste Manager entscheidet sich nicht für ein Angebot, weil die Fakten so geil sind. Sondern weil seine Gefühle angesprochen wurden. Und wenn es das Gefühl von Sicherheit und kommendem Erfolg ist. 

Fakten kommen bei deinen Verkaufstexten bitte immer erst, wenn du dein Gegenüber emotional abgeholt hast. Und das funktioniert eben am besten, wenn du ihre Gefühle ansprichst, indem du Bilder im Kopf erschaffst, Sinne ansprichst.

Machen wir mal den Test. Schließe kurz die Augen, natürlich nur wenn du kannst, ich will nicht, dass du beim Hören gegen einen Laternenpfahl läufst oder dein Auto crashst. Aber lass mal die folgenden Textschnipsel auf dich wirken:

Wir liefern Ihnen termingerecht eine fertig auf den Punkt gegarte Weihnachtsente, eine passende Soße, Beilagen wie Rot- und Grünkohl sowie klassische Thüringer Klöße für 4 Personen. Sie müssen alles nur noch erwärmen und begeistern selbst Ihre Oma mit dem Menü.

Alternativ:

Einfach genießen. Eine Ente, deren Haut herrlich knusprig ist, bei der das zarte Fleisch vom Knochen gleitet, den Duft der fein abgestimmten Soße. Nehmen Sie da einen Hauch Preiselbeere wahr? Das satte Grün und Rot der klassischen Beilagen harmoniert wunderbar mit dem dunklen Fleisch und den hellen Klößen, durch die das Messer gleitet, wie durch Butter. Und all das, ohne stundenlang in der Küche zu stehen.

Klingt das gut?

Ok, bei welcher Beschreibung kriegst du Hunger? Vegetarier und Veganer jetzt mal ausgenommen. Aber Prinzip verstanden? 

Emotionen schlagen Fakten. Und Emotionen erzeugst du am besten, indem du Sinne ansprichst, Bilder im Kopf (oder Düfte in der Nase) erschaffst.

Warum kann das der Game-Changer für deine Texte sein?

Weil unser Gehirn da recht cool tickt. 

Lese ich etwas, übersetzt mein Gehirn, ruft Erinnerungen an Vorerfahrungen ab und ordnet ein. Das tut es unbewusst und immer. Kann es nicht einordnen, sucht es zumindest vergleichbare Erfahrungen und verortet das Neue da. Schreibst du bildhaft, so dass die Sinne angesprochen werden, fällt es den grauen Zellen deines Gegenüber leichter, das Gelesene einzuordnen.

Darüber hinaus kommen aber auch direkt die Gefühle wieder, die mit diesen Vorerfahrungen verknüpft sind. Bei der Ente hoffentlich ein heimeliges Gefühl von Weihnachten in Kinderzeiten. Oder zumindest an einen Schmaus, der mich pattesatt und glücklich anschließend auf die Couch gebügelt hat. Bei der ersten Entenbeschreibung kommen bei mir Bilder von Mikrowelle, alleine, kein Schwein ruft mich an. Und dann noch Futter aus der Plastetüte.

Da haben wir es – Der zweite Ententext erzeugt ein Glücksgefühl. Weil meine Sinne und damit meine Erinnerungen angesprochen werden. Dieses Gefühl möchte ich bitte gern wieder haben. 

Genau darum geht es. Schreibst du bildlich, sprichst du verschiedene Sinne an, rufst du damit indirekt Erinnerungen und Gefühle bei deinem Gegenüber hervor, wenn du richtig gut bist, hat dein Gegenüber sogar den Geschmack auf der Zunge.

Der erste Schritt: Bildhafte Sprache

Nehmen wir uns erst einmal den Sinn vor, der bei den meisten dominant ist: das Sehen. Wir wollen Bilder im Kopf erzeugen. Das funktioniert tatsächlich relativ einfach. Du musst einfach nur andere Begriffe in deinen Texten nutzen.

Nicht: ich esse den Entenflügel, sondern: ich knabbere ihn ab.

Klingt schon ganz anders, oder?

Schau genau rein, welche Standardwörter du nutzt und guck mal, ob es Synonyme gibt, die konkreter sind. Das müssen nicht mal einzelne Wörter sein, es darf sich auch um ganze Wortgruppen handeln, die das ursprüngliche Wort besser und greifbarer umschreiben. 

Nicht: er hatte Angst, sondern ihm schlotterten die Knie. 

Du fühlst dich ausgelaugt? Nein: wie durch den Wolf gedreht.

Deine Texte sind nicht zu trocken, sondern aus ihnen staubt der Muff von 1000 Jahren Gelehrsamkeit. 

Du hast keine Angst vor Sichtbarkeit, sondern dir geht der Arsch auf Grundeis, wenn du an Insta-Reels denkst. Ok, das war jetzt nen Ticken zu viel. Aber ein: du fühlst den Knoten im Bauch, wenn du nur an Reels denkst ist ok.

Prinzip verstanden?

Gerade, wenn es um Adjektive oder Verben geht, finden sich oft bessere Umschreibungen. 

Statt: du spazierst durch den Park: du schlenderst durch den Park. 

Nicht: du regst dich über deine Kollegen auf, sondern: deine Kollegen treiben dich zur Weißglut

Nicht: du schläfst schlecht, sondern: du wälzt dich nachts hin und her.

Der nächste Schritt - die anderen Sinne

Ich habe es ja eingangs schon erwähnt. Es gibt mehr als einen Sinn. Sicher kennst du das auch: da spielt ein bestimmter Song im Radio und sofort bist du wieder 16, und fühlst den ersten Trennungsschmerz wieder genauso wie damals. Den Thomas-Jürgen würdest du heute nicht mehr mit der Kneifzange anfassen. Die Musik versetzt dich aber in das Gefühl zurück. 

Oder Gerüche. Wer in Berlin öfter mal U-Bahn gefahren ist, wird bei einem leichten Anflug des Duftes sofort an muffige Bahnsteige, den Wind des einfahrenden Zuges und die panische Suche nach dem Fahrschein bei Kontrollen denken.

Beim Nachdenken über diese Folge ist mir übrigens auch was ganz Spannendes aufgefallen. Ich verbinde diese brettharten, knochentrockenen Handtücher, die sich eher nach Schleifpapier anfühlen und die heute niemand mehr hat oder will, mit Geborgenheit. Denn diese Dinger verbinde ich mit Ferien bei meinen Großeltern. Da gabs keinen Weichspüler, braucht doch niemand. Dafür aber ganz viel Wärme und Liebe.

knochentrockene Handtücher

Versuche, alle Sinne anzusprechen

Der erste Schritt ist auch hier wieder Selbsterkenntnis. 

Was für ein Typ bist du? Welcher Sinn (es können auch mehrere sein) ist bei dir dominant? Siehst du die Zukunft positiv oder schmeckt dir der Gedanken an Erfolg? Klingt das gut oder fühlt es sich gut an? Mit ein wenig Übung wirst du deine Muster und auch die von anderen erkennen.

Dann prüfe deine Texte. Überwiegt dort dein eigener Sinn oder sprichst du auch die anderen an? Du musst nicht gleichmäßig mixen oder gar Textstellen zählen und gegeneinander aufwiegen. Entscheidend ist nur, dass alle irgendwie mal vorkommen.

In meinem Ententext beschreibe ich die Konsistenz – die krosse Haut, das zarte Fleisch, die butterweichen Klöße, das ist das Fühlen. Die krosse Haut kann ich aber auch schon fast hören. Die Farben der Komponenten holen die visuellen Typen ab, also die, die vor allem übers Auge wahrnehmen. Der Duft ist spätestens mit dem Preiselbeernebensatz einbezogen, genauso wie der Geschmack. Alle Sinne in wenigen Sätzen.

Funktioniert bildhafte Sprache nur für Essen?

Um Gotteswillen, nein!

Bildhafte Sprache, die Ansprache verschiedener Sinne funktioniert eigentlich überall. Klar, nicht für staubtrockene, wissenschaftliche Abhandlungen. Da hat sie auch nichts zu suchen. Für Texte, die verkaufen, hilft sie aber immer.

Gerade am Anfang deiner Sales Texte, da wo du deine Leser abholst, wo sie stehen, kannst du wunderbar damit arbeiten. Wichtig dabei ist, es nicht zu übertreiben.

Wenn ich schreibe: Du brauchst regelmäßig guten Content, um damit in die Sichtbarkeit zu kommen und nicht in der breiten Masse unterzugehen. Klingt die Variante: Du brauchst guten Content, um damit strahlend herauszustechen, statt im Sumpf des Mitbewerbs zu versinken, etwas, naja. Seltsam. Auch hier wieder – die Balance macht’s.

Wir schreiben Marketingtexte und Content – keine Romane. also übertreib es nicht. Aber lass schmackhafte Texte und bildhafte Sprache ruhig rein. Deine Leser wird es freuen.

Tipp

Mein kleiner Fix-Tipp:

Nutze das Wissen dieser Folge für deine kommenden Social Media Posts. Wenn du dein nächstes Angebot bewirbst, nimm einfach verschiedene Varianten und sprich die unterschiedlichen Sinnestypen an. Ist ganz einfach und du hast sofort 5 oder mehr Beiträge, die sich alle um ein Thema drehen, aber jedes Mal anders sind.

Nr. 1. Deine Content-Erstellung fühlt ich mega zäh an? Dann ….

Nr. 2. Du siehst den Wald vor lauter Content-Strategie-Vorschlägen nicht? Dann ….

Nr. 3. Kannst du das ewige Blabla für die perfekte Content-Strategie auch nicht mehr hören?

Nr. 4. Stinkt es dir auch gewaltig, dass ständig erzählt wird ….

Nr. 5. Schmecken dir die ganzen Standard-Vorlagen auch nicht? Dann …

Fazit

Ok, lass uns nochmal kurz zusammenfassen: In Werbetexten geht es immer um Emotionen. Fakten sind nicht der Grund, warum jemand kauft, sondern weil er sich emotional abgeholt, verstanden fühlt und überzeugt ist, dass dein Angebot genau richtig ist. Weil Kopf UND Bauch ja sagen. 

Um Emotionen bei deinen Lesern zu erzeugen, hilft es enorm, Bilder im Kopf zu erschaffen und die verschiedenen Sinne anzusprechen. Das funktioniert wunderbar mit Worten. 

Nutze dafür bildhafte Sprache, ersetze also die allgemeinen Standardbegriffe mit besseren Umschreibungen. Übertreibe es aber nicht. Wir schreiben immer noch Verkaufstexte, keine Lyrik.

Praxistipp: Achte bewusst darauf, die verschiedenen Typen anzusprechen und nicht nur deinen eigenen.

Ok, das war’s für heute von mir. Ich geh jetzt erst einmal eine Ente kaufen. So viel drüber reden, macht Appetit. 

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Ich bin Ina.

Als freie Werbetexterin und Schreib-Coach verhelfe ich Dir mit meinen Texten und meiner Beratung zu mehr Reichweite und Sichtbarkeit.

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