Ich muss erst noch …

Ich muss erst noch - warum wir uns so gern selbst sabotieren

Immer wieder haben wir tolle Projekte in der Pipeline. Und immer bleiben viele davon im “wäre schön gewesen”-Modus. Das geht aber auch anders.

Ich bin mir 100% sicher, dass du die Situation auch schon mal hattest. Oder eher noch, dass die sogar regelmäßig eintrifft. Du hast einen Plan, bist mega-begeistert und dann … muss ja erst noch dies, dann noch das, dann kommt irgendwas Unvorhergesehenes dazwischen und irgendwie rutscht alles immer weiter nach hinten. Bis du dich fragst, ob die Umsetzung überhaupt noch lohnt. 

Was Gründe dafür sein könnten und wie du gegensteuerst – darum geht es in dieser Folge.

Ganz ehrlich? Es nervt. Extrem.

Ausgangsbasis: Wir haben ne richtig coole Idee, ewas Geniales in petto. Wir investieren Zeit und Energie, um das Ganze irgendwie in einen Guss zu bekommen, sind all in. Und dann stellen wir fest, dass es irgendwo hakt. Weil erst noch das Branding der Webseite angepasst werden muss, du erst noch die Testimonials für den neuen Kurs brauchst, um sie auf der Sales Page zu zeigen. Weil Gottwasweißich dazwischenfunkt. Und dann liegt das, und liegt und setzt irgendwann Schimmel an.

Viel Energie in ein Projekt gesteckt, völlig umsonst.

Ich glaube, das ist einer der Gründe, warum ich das Bild des Eichhörnchens für Leute wie mich so passend finde und ich mich auch selbst gern als Squirrel Brain bezeichne. Wir springen jeder spannenden Nuss hinterher, sammeln sie, verbuddeln sie für den Winter um Vorrat zu haben. Wir vergessen aber auch zu gern, wo die Nuss jetzt lag und wie wir da wieder rankommen. Satt werden wir meist trotzdem. Und aus den vergessenen Nüssen wachsen tolle Bäume. 

Von denen wir aber nichts haben.  

Warum ist das so, und was können wir dagegen tun?

Planlos?

Einer der Gründe ist schlichte Verpeiltheit

Sorry, falls ich dir gerade zu nahe trete. Aber bei mir das das definitiv der Fall und ich sehe das auch immer wieder.

Ich habe regelmäßig wirklich gute Ideen und stoße die auch an. Dann kommt aber das Leben und alles mögliche (aka andere spannende Nüsse) dazwischen und wenn ich in die konkrete Umsetzung gehen will, merke ich, dass der Zug schon abgefahren ist. 

– Weil der für Mai geplante Workshop halt nicht erst in der letzten April-Woche beworben werden kann. 

– Weil die Inhalte eines Kurses, der zu der Zeit, als ich ihn geplant habe, absolut hot waren, ein halbes Jahr später aber schon veraltet sind. 

– Oder weil ich mitten in der Umsetzung feststelle, dass XY genau das gleiche Format bereits anbietet.

Das ist ärgerlich. Viel wichtiger aber: auch vermeidbar.

Was gegen Verzetteln hilft: Strategie

Nehmen wir das mal auseinander:

Fall 1: Du verpasst das richtige Timing fürs Marketing.

Du planst ein bestimmtes Event: einen Launch, einen Workshop, eine Challenge. Dann kreuz dir bitte nicht nur das entsprechende Datum im Kalender an, sondern – ganz wichtig – auch die Vorbereitungszeit. Je nachdem, wie groß das wird, was du rausgibst, mit entsprechend Power.

Normalerweise solltest du 4 Wochen vor einem Event all in gehen.

Das heißt – teile bitte nicht mehr irgendwelche inspirierenden Zitate. Oder nur mit einer Überleitung zu dem, was da kommt und einem Call to Action. 

Spare dir in der Zeit auch Werbung für das Angebot deiner Business Buddies. Jetzt ist der Fokus mal bitte auf dich und genau dieses Angebot. Hab keine Angst, deine Leute zu nerven. Es wird eh nicht jeder Beitrag an jeden ausgespielt. Und bei der Masse an Informationen, die jeden Tag über uns hineinfluten, braucht es häufig mehr als eine Erwähnung, um wahrgenommen zu werden. 

Geht es nicht nur um eine kleine Live-Masterclass, sondern um etwas Größeres, einen Launch zum Beispiel, markiere mindestens nochmal 4 Wochen mehr im Kalender. Das ist die Zeit, in der du seedest. Also deine Community auf das Thema einstimmst, ein Problembewusstsein schaffst. Und nein, auch in dieser Zeit teilst du bitte keine Empfehlungen für deinen eigenen Mini-Kurs oder das Angebot deiner Bekannten.

 Meine Empfehlung – eine optimale Seedingphase dauert 6 – 8 Wochen. Wenn es passt, sogar länger.

Du vertraust auf Facebook Ads? Gute Idee. Aber setz die bitte nicht erst 2 Wochen vorher auf. Meta ist clever. Braucht aber auch etwas Zeit, um herauszufinden, wo die für dich perfekten Kunden zu finden sind.

Schalte deine Anzeigen also idealerweise 5 – 6 Wochen vor dem geplanten Event.

So hat Meta 1 – 2 Wochen Zeit, zu lernen, wo sich deine Idealkunden rumtreiben und die kommenden 4 Wochen wird eingesammelt, was geht. Länger sollte deine Kampagne aber auch nicht sein, sonst ist das Interesse bei denen, die sich gleich am Anfang angemeldet haben, verpufft.

Das ist Strategie. Nicht einfach was raushauen, sondern anteasern, deine Audience aufwärmen und dann raus damit.

Fall 2: Du hast was in petto, setzt es aber nicht um

Du testest ein Angebot. Sei es als kostenfreie Beta-Runde, sei es als bezahlter Workshop, der später ein Kurs werden darf. Du erstellst also Inhalte, die du später verkaufen willst, die aber noch Feinschliff brauchen. In dem Fall gilt das Gleiche, nur anders rum. 

Zieh das Ding durch, plane aber schon im Vorfeld für danach Zeit ein, um dann auch was daraus zu machen.

Egal, wie gut dein kostenfreier Beta-Kurs läuft – es gibt immer Dinge, die du anpassen musst. Manchmal merkst du selbst, was noch fehlt, häufig hilft dir das Feedback deiner Beta-Tester. In den seltensten Fällen wirst du die Materialien komplett 1:1 übernehmen. Das funktioniert zeitnah am besten. Denn dann ist der Input frisch und auch noch alles aktuell.

Ich bin ja auch als Coach bei Sigrun dabei und in ihrem Kickstartprogramm entstehen regelmäßig richtig coole Sachen. Was ich persönlich extrem schade finde – nur wenig davon findet am Ende seinen Weg in den Markt. Das liegt nicht am Programm, sondern eher daran, dass die Erstellerinnen viel zu beschäftigt damit sind, etwas Neues zu probieren, statt mal Bestehendes zu nutzen.

Und ja, ich fass an meine eigene Nase. 

Ich hab mal gerade geschaut … xxx Videos liegen auf meiner aktuellen Kursplattform. Wie viele sind in Nutzung? Vielleicht ein Drittel.

Fall Nr. 3: Du hast deine Hausaufgaben nicht gemacht. (Oder du bist ne Copy-Cat)

Diese Variante hatte ich selbst noch nicht. Ich hab sie aber bei meinen Kundinnen erlebt. also nicht die Copy-Cat. Nur die fehlenden Hausaufgaben.

Bevor du ein Angebot raushaust, checke den Markt.

Ich bin absolut davon überzeugt, dass die Inhalte deiner Angebote wichtig sind. Logisch. Deine Persönlichkeit entscheidet aber auch ganz stark. Wir mögen Experten in unserem Gebiet sein. Wenn es menschlich nicht passt, gewinnst du keine Kunden. Das heißt nicht, dass du dich anpassen sollst. Sondern eher, dass du von Anfang an authentisch rausgehst. Damit dich genau die Menschen finden, die deine Art mögen und mit denen du arbeiten willst.

Trotzdem ergibt es Sinn, schon mal links und rechts zu schauen. Das macht jedes große Unternehmen, bevor es etwas neues auf den Markt schmeißt.

Was ist in deiner Nische schon da? Was fehlt? Was könntest du anders machen?

Es ist totaler Quatsch, wenn das, was du dir überlegt hast, schon 1:1 existiert. Denn 1. kommst du so in den Ruf, ne Copy Cat zu sein. Jemand, der nur auf den erfolgreichen Zug eines anderen aufspringt. (Kurze Rand-Notiz: funktioniert eh nicht, weil … Persönlichkeit, eigener Stil und so). Und 2. ist der Markt da schon besetzt. Es wird deutlich schwieriger, Fuß zu fassen, wenn sich da schon jemand einen Namen gemacht hat. 

Also schau mal genauer hin, bevor du loslegst.

– Was gibt es schon?

– Wo ist deine Nische?

– Wie unterscheidet sich dein Angebot?

Das müssen keine Riesen-Unterschiede sein. Aber schon differenzierbar. Keine Angst, es ist Platz für alle. Ich hab als Werbetexterin mit wirklich vielen Branchen zu tun gehabt. Es gab immer etwas, dass aus dem bereits vorhanden heraussticht. Du musst es halt nur herausfinden und dann auch konsequent kommunizieren.

Imposter lässt grüßen

Mein Liebling – Das Impostermännchen

Nicht immer bleiben geniale Ideen im “wäre cool gewesen”-Status, weil wir uns verzettelt haben. 

Häufig liegt es einfach daran, dass wir uns unbewusst selbst im Weg stehen.

Weil wir unsicher sind. Imposter nennt man das. Kennen wir alle. Dieses kleine fiese Ding kommt gut versteckt um die Ecke. Und sabotiert leidenschaftlich gern. Das passiert ziemlich offensichtlich an den Tagen (die wir alle kennen) an denen wir zweifeln, ob wir denn wirklich gut genug seien. Das Gute, die werden seltener, je länger du dabei bist. Es gibt aber noch nen anderen Kniff, den unser kleiner Freund anwendet. Der ist subtiler. Indem er dir ständig erzählt, dass das schon cool sei, so “aber noch nicht reicht.”

Mach dir mal den Spaß und schau auf die letzten Jahre zurück. Wie oft hattest du die Situation, dass da was geht. Und wie oft hast du dich selbst ausgebremst, weil noch irgendwas “nicht perfekt” war?

Der Klassiker: Deine eigene Webseite

Egal, ob du deine Seite neu aufsetzt oder nach einer Weile aufpolierst. Häufig ist das ein Projekt, das gefühlt ewig braucht. Dabei ist die Lösung hier relativ einfach: 

Wenn das Wichtigste steht – raus damit! Anpassen und nachfeilen kannst du immer noch.

Drei Bereiche sind wirklich wichtig: 

Deine Startseite 

Logisch. Dort landen ja Seitenbesucher im Normalfall zuerst. Und dort sollten sie dann auch schon mal sehen, was es bei dir gibt und wie sie finden, was sie suchen.

Über mich – das Stiefkind der Unterseiten. 

Dabei wird die auch ganz oft besucht. Denn Menschen kaufen von Menschen. Und sie wollen natürlich wissen, mit wem sie es zu tun haben. Also ja, die sollte auch fix stehen oder rausgehen.

Deine Angebots-Seiten

Deine Website soll ja keine hübsche Visitenkarte sein, sondern einen Zweck erfüllen: ergo Verkaufen. Dafür sollten deine Angebotsseiten natürlich stehen. Beziehungsweise bei einem Make Over auch direkt als erstes angepasst werden.

Was Zeit hat:

Wenn dein Blog noch kein Futter hat oder die Beiträge noch nicht ganz perfekt im neuen Design erstrahlen – egal. Oder irgendwelche Seiten, die zum Beispiel die Zusammenarbeit mit dir erklären. Das ist alles nice to have und ja, sollte dann irgendwann auch mal stehen. 

Sie sollten aber nicht die Bremse sein, die dich von der (Wieder)Veröffentlichung abhalten. Sonst dauert es halt ewig und währenddessen verkaufst du nicht. 

Ja, deine Website ist wichtig, sollte professionell und ansprechend sein. Oft sehe ich aber, dass Kunden zum Beispiel nicht rausgehen, weil sie noch nicht herausgefunden haben, wie sie die Button von rund auf eckig umstellen. Das ist Perfektionismus-Prokrastination.

Sales Pages

Auch immer wieder gern gesehen: Ich kann mein Angebot noch nicht kommunizieren, die Sales Page ist noch nicht fertig. Da wird dann designt, gefeilt, manchmal werden sogar externe Tools wie Leadpages in Anspruch genommen, damit das alles richtig schick ist. Dann klappt die Verknüpfung zum Zahlungsdienstleister nicht, es fehlen noch irgendwelche Meta-Tags und und und.

Dabei ist das Design am unwichtigsten.

Entscheidend ist, dass der Inhalt der Seite steht. Dass du dort klar kommunizierst, WAS genau dein Angebot so toll macht, WELCHES Problem gelöst, welches Bedürfnis befriedigt wird. Welche Transformation die Zusammenarbeit mit dir in sich birgt. Das funktioniert auch wunderbar als reiner Text in einem Google Doc. Klar ist es schön, wenn die Seite auch noch hübsch in deinem Branding erstrahlt. Aber verkaufen tut der Inhalt.

Freebies

Ich bin ja ein großer Fan von ultimativen Freebies – also Leadmagneten, die wirklichen Mehrwert bieten und für die Leute normalerweise auch bezahlen würden. Die Dinger ziehen auch heute noch und bringen dir ordentlich Anmeldungen im Newsletter. Bevor du jetzt aber monatelang daran rumbastelst, schau, dass du schon mal eine abgespecktere Version oder etwas anderes, schneller Erstelltes raushaust, bevor du dich im Perfektionismus-Nirwana wiederfindest und unsichtbar bleibst.

Falls du also einen Mini-Kurs aus 3 – 4 kurzen Videos und ein begleitendes Workbook geplant hast – Nimm die Videos auf, stell sie ein und raus damit. Das Workbook kannst du immer noch umsetzen. In Ruhe. Während du schon die ersten Leads sammelst.

Dein Freebie ist ein etwas umfangreicheres E-Book? Bleib bei der Erstellung dran. Aber schieb in Canva fix eine Checkliste dazwischen, die thematisch auch passt, vielleicht sogar später Bestandteil des E-Books ist, und die du jetzt schon raushauen kannst.

 

Du merkst, ich will auf eines hinaus: 

Warte nicht, bis alles perfekt ist, sondern schau, dass du schnelle, praktikable Lösungen findest.

Lass uns mal in den Kern des Problems tauchen.

In, ich würde mal sagen 80% der Fälle ist nicht die Technik, das fehlende Testimonial, der volle Terminkalender das Problem. Sondern diese spezielle Form des Imposters. Wir wissen innerlich, da geht was, das könnte groß werden. Unser inneres Eichhörnchen springt ein paar Tage im Careé. Wir sind all in. Und dann – sabotieren wir uns selbst.

Warum? Ganz simpel: weil es klappen könnte. Weil das wirklich was verändern könnte. Aber bist du wirklich dafür bereit? 

Eine sehr klare und erst gemeinte Buchempfehlung meinerseits: The big leap von Gay Hendricks

Die Kernaussage ist sehr klar: Wir sind häufig wunderbar darauf vorbereitet, was im Leben schief laufen kann. Ja, wir wollen Verbesserung. Aber wenn die dann da ist, oder in Reichweite, hauen wir uns selbst Stöcker zwischen die Beine, weil unsere Komfortzone im Gewohnten liegt. Nicht im plötzlich auftretenden Erfolg. Egal, wie schwer verdient der ist. 

Wenn du dich also bei dem Gedanken erwischst: “ich muss erst noch … “, nimm dir mal ne Tasse Tee, geh spazieren und horch in dich rein. Ist das wirklich notwendig? Oder sabotierst du dich unbewusst gerade selbst. Weil das auch so gut werden könnte. Weil du Angst vor der Veränderung hast. Davor, nicht dem zu entsprechen, was du da gerade versprichst. 

Lass es sacken. Und dann: machen!

Die Hacks

Wenn dir Projekte hintenüberfallen oder durchrutschen, weil du zu verzettelt unterwegs bist: Plane. 

Blockier dir ausreichend Zeit im Kalender. Betonung liegt hier vor allem auf “ausreichend”. Häufig reicht das schon, um zu vermeiden, dass dir vor lauter Action die Zeit wegläuft, um zu machen, was wichtig gewesen wäre.

Trau dich unperfekt zu sein. Das heißt nicht, dass du schlampen sollst. Aber meistens sieht später kein Mensch, woran du die letzten 20% der Zeit vor Veröffentlichung gefeilt hast.

Wenn du merkst, dass du in dieses “Klein-Klein” verfällst, hier noch und da noch was schrauben oder vorbereiten willst, schau mal, woran es wirklich hängt. Denn häufig, ganz häufig ist es nur unser Impostermännchen. Gut verkleidet, trotzdem noch genauso fies. 

Schmeiß den Idioten raus und leg los.

Du hast was, was in die Welt soll. Also raus damit!

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Ich bin Ina.

Werbetexterin, Content-Coach und Squirrel-Brain.

Ich unterstütze vielbeschäftigte Online-Unternehmerinnen dabei, mit guten Inhalten in die Sichtbarkeit zu kommen und. zu verkaufen. Ohne Content-Hustle und Überforderung.

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