texten - kann man davon leben

Diese Frage läuft mir regelmäßig über den Weg, wenn ich erzähle, was ich beruflich mache. Ok, davor kommt erst noch die Schleife, in der ich erkläre, was genau das denn eigentlich ist: Texten.

Contentcure hat zur Blogparade gerufen, das Motto lautet: Endstation Texterstrich. Klingt erst einmal provokant, macht aber Sinn. Denn gerade in unserer Branche sind die preislichen Verwerfungen enorm. HIER findest du den Original-Aufruf, falls du selbst teilnehmen möchtest oder dich für andere Beiträge interessierst, die sich mit dem Thema beschäftigen.

Aber zurück zur Eingangsfrage. Kann man davon leben?

Ja. Aber nur, wenn man nicht auf den Strich geht.

Textbörsen als Content-Quelle?

Es gibt ja diverse Textbörsen da draußen und sie versprechen gerade Einsteigern viel: Sicherheit, denn Aufträge kommen garantiert, Entwicklungsmöglichkeiten, denn ein zufriedener Auftraggeber zahlt in Zukunft vielleicht auch mehr als die Centbeträge. Und wachsende Erfahrung, denn es gibt ja kostenfreie Trainings und je mehr man schreibt, umso besser wird man ja auch.

Klingt erst einmal nett, ist aber Müll. Denn erstens kann niemand ernsthaft von den Preisen leben und zweitens ist es nur ein Spiel mit der Unsicherheit der Schreibenden. Und ganz ehrlich: Wer guten Content will und wertzuschätzen weiß, wird dort nie Aufträge vergeben. Denn die Chance, wirklich vernünftige Texte zu bekommen, ist gering.

Du denkst jetzt vielleicht: “Klar, muss ich als Freie ja auch so sagen.” Dieses Urteil habe ich mir aber schon früher gebildet, als ich selbst Aufträge vergeben habe.

Die Qualität leidet

Bei meinem alten Arbeitgeber brauchten wir regelmäßig Textbausteine. Es ging um Hotelbeschreibungen für unsere Reisen. Normalerweise war das Aufgabe unserer Mitarbeiter. Aber die hatten Weißgott besseres zu tun. Irgendwann haben wir gerechnet und beim Marktführer mehrere Aufträge eingestellt. Das Briefing war klar, die Recherche eine Kleinigkeit. Alle Informationen waren im Netz frei zugänglich.

Die Ergebnisse haben mich nicht überzeugt. Die Nachbearbeitung durch uns hat genauso viel Zeit in Anspruch genommen wie die eigentliche Erstellung. Abgesehen von Schreibfehlern wurde auch das Briefing zur Form nicht wirklich eingehalten oder nicht genau geschaut, welches Haus denn nun eigentlich beschrieben werden sollte.

Ich will definitiv nicht alle über einen Kamm scheren. Aber ich bin überzeugt, wer nur Peanuts für seine Arbeit erhält, muss sehr schnell sein. Und dann kommen Fehler und Schludrigkeit automatisch.

Warum lieber ein professioneller Texter?

Da gibt es in meinen Augen hunderte Gründe. Die wichtigsten drei verrate ich dir hier.

Die Tonalität, das Wording, ist Teil der Corporate Identity

Wenn du dich ein wenig mit dem Thema Branding beschäftigt hast, weißt du, wie wichtig die Wiedererkennbarkeit in allen Punkten für dein Business ist. Denn dein Angebot gibt es sicher ganz oft da draußen. Gekauft oder gebucht wird, weil deine Kunden von dir als Person, von deinem Unternehmen als Brand, überzeugt sind. Und die Art zu schreiben, deine Tonalität, dein Stil, sind ein ganz wichtiger Bestandteil davon.

Eine gute Texterin kann sich in diese Totalitäten einfühlen umsetzen. Im Idealfall schreibt sie sogar alle wichtigen Texte. Denn wenn deine Webseite, die Newsletter und Angebotsseiten alle gleich klingen, aus einem Guss sind, überzeugen sie.

Wenn der Texter aber nur 3 Zeilen Briefing mit “Tonalität, locker, flockig, Zielgruppe 20+” vor der Nase hat und weiß, in 15 Minuten sollte er durch sein, weil es sich sonst nicht rechnet – ja, was erwartest du da als Ergebnis?

Ein guter Texter denkt mit

Ich glaube, ich habe noch keinen einzigen Auftrag gehabt, wo ich nur “abarbeiten” musste. In allen Fällen gingen dem eigentlichen Texten diverse Briefing-Phasen voraus, in der wir gemeinsam ein Konzept entwickelt haben. Denn alle Texte sollen ja etwas bewirken. Und dafür müssen alle wissen, wie das im Einzelfall funktionieren könnte.

Dementsprechend wird eine gute Texterin dich auch darauf hinweisen, wenn dein Plan nicht wirklich sinnvoll ist. Bestes Beispiel SEO. Früher war es super, möglichst oft das Hauptkeyword im Text unterzubringen. Das hat sich gewandelt. Und so erkläre ich meinen Kunden oft erst einmal, wie SEO heutzutage funktioniert, was Google wirklich will.

Eine gute Texterin versteht ihr Handwerk

Schreiben ist Talent. Aber es hat auch viel mit Handwerk zu tun. In den Texterbörsen findest du vor allem Leute, die sich zwar sicher gut schriftlich ausdrücken können, das Handwerkszeug selbst aber nicht voll beherrschen. Das müssen sie ja eigentlich auch gar nicht. Denn viele sind Studenten, die sich etwas nebenbei verdienen wollen oder Mütter, die die Haushaltskasse aufbessern. Alles legitim, aber eben nicht professionell.

Bei einem professionellen Texter weißt du, dass der sich nicht nur aufs Schreiben versteht, sondern eben auch weiß, wie gutes Marketing funktioniert. Dass er sich (wahrscheinlich) regelmäßig weiterbildet, um am Ball zu bleiben und sich mit Kolleginnen austauscht, was funktioniert und was nicht.

Wirklich gute Texte kannst du nicht bezahlen

Ok, das war jetzt auch provokativ. Aber mal rein rechnerisch gesehen, ein Beispiel: Du lässt dir Texte für deine Webseite erstellen. Über diese Seite finden dich Kunden, sie kaufen deine Angebote, du präsentierst dich und dein Unternehmen. Wie kann man den Wert der Texte beziffern?

Steht dort Müll, wirst du nicht wahrgenommen und keiner kauft.

Wenn du also vielleicht 800 € in die Hand nimmst, ist das sicher erst einmal eine Menge Geld. Aber diese Texte sind dann da. Sie haben Bestand und sie bringen dir Geld. Du kannst das gleiche Geld auch für Flyer ausgeben. Die sind aber nur einmal im Briefkasten und das wars.

Die Kosten für einen guten Text hast du also innerhalb kurzer Zeit wieder eingespielt.

Was kosten gute Texte?

Sagen wir mal so, es kommt drauf an. Ein professioneller Texter wird dir nie Wortpreise vorschlagen. Denn die Anzahl der Wörter sagt nichts, aber auch gar nichts über die Qualität und Wirksamkeit eines Textes aus. Die hohe Kunst ist ja meistens, alle wichtigen Informationen so kurz und kompakt wie möglich zu präsentieren.

Gute Texterinnen werden sich immer erst den Projektumfang anschauen und dir dann einen Paketpreis auf Basis ihres Stundensatzes nennen. Und vielleicht noch in der Kalkulation berücksichtigen, wofür der Text eigentlich ist. Denn Freiberufler sind genauso Unternehmer wie du. Sie müssen essen, Miete zahlen, Versicherungen und Co. abdecken, das Finanzamt glücklich machen. Sie sind mal krank oder machen auch Urlaub. Und all das muss in ihren Preisen Platz haben. Der Vergleich von Angestelltengehalt und Freiberufler-Pauschale macht also null Sinn.

Eine gute Orientierungsmöglichkeit ist der Marktmonitor vom Texterverband. Hier werden die aktuell üblichen Honorare abgefragt und veröffentlicht. Der Marktmonitor kostet Geld, ist aber in meinen Augen ein gutes Investment. Denn so kannst du viel leichter abschätzen, ob ein Angebot realistisch oder eher nicht.

Wie setze ich meine Preise durch?

Ich hatte Glück. Ich hab mich nicht von Textbörsen unsicher machen lassen, sondern darauf vertraut, dass meine Arbeit stimmt. Ich habe selbst kalkuliert – was brauch ich zum Leben, welchen Stundensatz muss ich zwingend abrufen. Und dann habe ich mir den oben genannten Marktmonitor geholt. Der hat bestätigt, dass ich nicht völlig daneben liege und er dient mir auch heute noch als Argumentationshilfe. Obwohl, argumentieren muss ich mittlerweile selten.

Ja, es kommen Anfragen, die mir dann erklären, ich sei ja viel zu teuer. Aber das ist ok.

Diese Kunden werden irgendwann bei einer Börse landen oder bei jemanden, der ganz ganz dringend Geld braucht. Und dann eben auch nur das bekommen, was sie bezahlt haben.

In den meisten Fällen sind meine Kunden aber völlig im Reinen mit dem, was sie zahlen. Denn sie haben verstanden, dass Texten eben auch etwas ist, was nicht jeder kann. Genauso wie eine Wand verputzen. Und der Handwerker kommt ja auch nicht für 20€/Stunde.

Drei Tipps für Texter-Anfänger

Verkauf dich nicht unter Wert!

Ja, du fängst an. Das bedeutet aber nicht, dass du Auszubildende bist und unter Mindestlohn vegetieren musst. Du beginnst mit deiner Selbstständigkeit. Schreiben wirst du sicher schon länger.

Wenn du mit niedrigen Preisen startest, wirst du so vielleicht ein Projekt mehr an Land ziehen. Aber du versaust dir auch selbst deine Preise. Denn Kunden, die nur bei dir sind, weil du so günstig bist, werden Preissteigerungen nie akzeptieren und abspringen.

Trete selbstbewusst auf, berufe dich ruhig auch auf die Empfehlungen des Texterverbandes. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen: die genannten Honorare sind absolut realistisch. Als Anfänger kannst du ja ein wenig drunter bleiben. Aber nur ein wenig 😉

Achte auf ein gutes Briefing

Das Briefing ist das A und O. Um gute Qualität abzuliefern (und so deine Preise zu rechtfertigen), musst du genau wissen, für wen du schreibst. Die Zielgruppe muss morgens mit dir am Frühstückstisch sitzen und abends mit dir Zähneputzen. Das Angebot muss glasklar sein, so dass dich jemand nachts wecken kann und du weißt, was Produkt xy kann.

Die meisten Probleme gibt es, wenn das Briefing nicht wirklich klar war. Denn dann hat deine Kundin vielleicht eine ganz andere Vorstellung vom Ergebnis als du.

Vernetze dich mit Kolleg:innen

Ja, du bist Freiberufler, Einzelkämpferin. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass du allein bist.

Ich habe von Anfang an Wert auf den Austausch mit anderen Textern gelegt. Über Facebook, LinkedIn, später direkt im Texterverband.

Der Markt ist so groß, es ist genug für alle da. Und es ist unheimlich hilfreich, andere zu kennen, die auf dem selben Feld unterwegs sind, die Tipps für den Umgang mit schwierigen Kunden geben oder dich manchmal einfach auch nur aufbauen, wenn du einen Zuschlag nicht bekommen hast.

Fazit: Ja, man kann davon leben

Gute Texte werden gebraucht. Mittlerweile mehr denn je. Denn Werbung hat sich verändert. Große Plakatwände funktionieren nur noch halbwegs. Unternehmen müssen es schaffen, im Gedächtnis zu bleiben. Und das funktioniert über Worte, Geschichten – über einen Blog, Social Media, die eigene Website. Und genau dafür sind ich und meine Kolleg:innen da.

Wichtig ist, sich selbst als Selbstständigen zu begreifen. Als Unternehmer. Wir sind keine armen Künstlerseelen, die von Almosen leben, Hauptsache, das Werk ist in der Welt. Ich habe das große Glück, von dem zu leben, was ich liebe. Aber es ist und bleibt eben mein Job. Und der zahlt meine Miete, mein Essen und eben auch das liebe Finanzamt.

Wenn du jetzt bist zum Schluss durchgehalten hast, verrate mir doch mal: Wie siehst du das?

Sind Textbörsen vielleicht doch eine Alternative und wir “Freien” werden schon sehen, was kommt?

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