Ich verkauf‘ mich nicht unter Wert

Wortpreise sind keine Basis für Texter-Arbeit

Warum Wortpreise von 5 Cent nicht funktionieren

Immer wieder stolpere ich im Netz über Jobangebote für Texter, bei denen Cent-Beträge pro Wort angeboten werden. 

Bestes Beispiel neulich auf einer Freelancer-Plattform. Zwei Cent pro Wort, dafür schön viel Volumen. Zwei Cent pro Wort. Da fange ich doch gleich mal an zu rechnen. 

Ich kann relativ schnell tippen – gelernt ist gelernt. 65 Wörter pro Minute sagt das Analyse-Tool. Da komme ich also auf 3900 Wörter pro Stunde, einen Stundensatz von 78,- €. Hey – das klingt doch super. 

Aber Stopp … Moment … dabei wäre vorausgesetzt, dass ich keine kurze Pause mache, nicht über Kommata stolpere und umblättern ist natürlich auch nicht drin – das kostet ja schon Zeit. 

Betrachten wir das Ganze mal realistischer, bin ich wohl maximal bei der Hälfte. Dann reden wir über einen Stundensatz von 39,- €. Wäre ich also eine effektive Schreibkraft, die fünf Tage die Woche nur mit Tippen verbringt – ich wäre reich!

ein Stapel münzen
Centbeträge für vollwertige Arbeit?

Da stimmt doch was nicht …

Leider geht es bei diesen Wortpreisen aber nicht um eine Tätigkeit als Tippkönigin, sondern als Texter. Also um das Erstellen von Inhalten, über die ich mir idealerweise Gedanken mache, Stunden mit Recherche verbringe, damit ich nicht irgendwelchen Müll verzapfe, sondern Mehrwert biete. Wo ich Formulierungen schleife, auf Zielgruppen anpasse, Keywords sinnvoll einfüge und das Ganze dann auch noch mit entsprechenden Tools prüfe und SEO-optimiere.

Selbst, wenn ich im Thema bin und dadurch relativ flüssig runterschreiben kann, brauche ich mindestens eine Stunde pro Seite. Also 7,50 € bei den oben genannten Wortpreisen. Deutlich unter Mindestlohn, ein Zehntel von den aktuellen Honorarempfehlungen für freie Texter.

Die Zeit für Recherche, für Korrekturen und Anpassungen sind in Wortpreisen grundsätzlich nicht enthalten. Aber ich hab ja mein Hobby zum Beruf gemacht (ja, das war ironisch gemeint).

Selbstständigkeit muss anders rechnen

Wer selbstständig ist, hat völlig andere Nebenkosten zu wuppen, als Angestellte. Sicher klingt ein Stundensatz von über 60 Euro erstmal viel. Gut die Hälfte geht aber alleine für Steuern, Versicherung und Co. drauf. Und laufende Kosten für Analysetools, die Büromiete und den Drucker muss ich auch berücksichtigen. Da geht es mir nicht anders, als dem selbstständigen Dachdecker. Warum also sollte ich als Texter deutlich weniger erwarten?

Reich werden wollte ich mit meiner Selbstständigkeit nicht. Aber leben möchte ich schon. Essen auf den Tisch stellen, meinem Kind auch mal einen I-Tunes-Gutschein holen.

Fazit

Sorry also, wenn ich Contentbrookern und Wortpreis-Feilschern hiermit eine klare Absage erteile. Für das, was Ihr sucht, gibt es mittlerweile Programme, die automatisierten Content schaffen. Warum die so wenig genutzt werden, ist klar – Kommunikation entsteht zwischen Menschen.

Das kann eine Maschine nicht ersetzen.

Eine positive Nachricht für alle Mitstreiter – ja es gibt sie, die Kunden, die gute Arbeit zu schätzen wissen. Die mitbekommen haben, dass gut recherchierte Texte mit Mehrwert  tatsächlich messbare Ergebnisse bringen.

Mit diesen Kunden redet man über ihre Ziele, findet gemeinsam heraus, wo es hingehen soll. Und vereinbart dann einen realistischen Preis. Nicht pro Wort, sondern pro Text oder Projekt. Mit dem beide Seiten gut leben können. Wer das versteht, kann gerne bei mir anfragen 😉

Also nicht die Hoffnung aufgeben und vor allem: nicht unter Wert verkaufen!

Ich weiß, die Meinungen gehen massiv auseinander – was denkst Du? Was ist die Arbeit als Texter wert?

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