Ghostwriting – wo sind die Grenzen?

Ghostwriting - so harmlos wie der kleine Geist im Kaffeeschaum?

Von der Verantwortung als Texter

Als Ghostwriting bezeichnet man allgemein die Situation, wenn jemand im Auftrag schreibt und die Texte dann unter einem anderen Namen veröffentlicht werden. Gerade für Werbetexter ist das Standard. Ihre Werke werden fast immer ohne Namensnennung auskommen müssen. Oder jemand anders schmückt sich mit den sprachlichen Federn.

Ghostwriting gibt es öfter, als Du denkst

Auch in der Literatur sind Ghostwriter sehr verbreitet. Gerade mit den Möglichkeiten der E-Books und des Selbstverlages blüht hier mittlerweile ein ganz besonderes Gewerbe.

Da kaufen Leute fertige Sachbücher von Textern für ein paar hundert Euro. Dann veröffentlichen sie das Ganze unter ihrem Namen und verdienen sich teilweise eine goldene Nase dabei.

Wie „sauber“ das ist, darüber kann man streiten. Ich persönlich finde es grundsätzlich ok, sich Unterstützung bei einer Buchveröffentlichung zu holen. Gerade wenn es die klassische Ghostwriting-Situation ist: eine Person des öffentlichen Interesses will ihre Lebensgeschichte veröffentlichen und holt sich dafür Hilfe.

Die Geschichte ist da, sie will nur noch erzählt werden.

Nun gibt es aber noch einen weiteren Zweig, der ebenfalls wirtschaftlich blüht – das Ghostwriting von wissenschaftlichen Arbeiten.

Für einen Betrag X kann sich jeder Student oder Doktorand so seine Hausarbeit, Examensarbeit oder sogar die Doktorarbeit überarbeiten oder schreiben lassen.

Darf man das???

Nein, das ist verboten.

Bei den meisten Universitäten unterschreibt man dafür, dass man seine Arbeiten selbst verfasst hat. Aber das Gegenteil muss eben erst einmal nachgewiesen werden. Und es ist nur strafbar für den, der anderer Arbeit für seine ausgibt.

Von Texterkollegen habe ich oft genug gelesen: „Für mich ist das Ghostwriting kein Problem. Der Rechtsverstoß erfolgt ja erst mit Einreichung der Arbeit unter anderem Namen. Da habe ich ja nichts mehr mit zu tun“.

Prinzipiell mag das richtig sein. Es entbindet aber nicht von der Verantwortung.

Klar, jeder von uns hat einmal vom Nachbarn abgeschrieben oder in der Klausur versucht zu spicken. Aber ganze Facharbeiten von anderen schreiben lassen und dafür bezahlen? Klingt mehr nach einem schlechten Roman. Ist aber mittlerweile Alltag an vielen Gymnasien und fast allen Universitäten.

Vielleicht gehöre ich zum alten Eisen. Ich finde, nicht jeder muss studieren, um einen tollen Job zu machen. Den aktuellen Run auf einen Uni-Abschluss finde ich schrecklich.

Verzweifelte Studentin
Ein Studium kann ganz schön belasten

Viele sind mit dem Studium überfordert und normalen Ausbildungsberufen fehlen die Leute. Das Ergebnis sind eine Unmenge junger Menschen, die an ihrem Studium und sich selbst verzweifeln, Aufputschmittel nehmen, schummeln oder irgendwann frustriert hinschmeißen.

Wer studiert, muss ganz schön knüppeln. Die Belohnung dafür ist dann der entsprechende Titel, den man sich vor den Namen setzten darf.

Wenn es eng wird, klingt es nett, einfach schreiben zu lassen. Ist ja nur die eine Hausarbeit … Wenn man damit aber erst einmal durchkommt, ist die Versuchung groß, sich so immer wieder den leichtesten Weg zu suchen.

Was bringe ich als Texter, der wissenschaftliche Arbeiten im Auftrag schreibt, also jungen Menschen bei?

Wenn es hart wird, such dir einen leichteren Ausweg.

Der ist illegal? Egal, solange du dich nicht erwischen lässt, kein Thema.

Und: Allein die Kohle zählt. Hast du genug Geld, kannst du dir jeden Abschluss kaufen, den du willst. Harte Arbeit und Durchbeißen sind umsonst.

Sorry, da mache ich nicht mit.

Ich bin alte Schule – ich habe einen Heidenrespekt vor jedem, der sich durch das Studium und den Doktor kämpft. Ja, ich rege mich wahnsinnig darüber auf, wenn gewissen Politikern Betrug nachgewiesen wird. Für mich ist das keine Korintenkackerei – es geht ums Prinzip.

Schmücke dich mit DEINER Leistung!

Wie früher in der Schule: Wer schummelt, fliegt raus. Dabei ist es egal, ob Du abschreibst oder die Hausaufgaben vom Klassennerd verfassen lassen hast.

Dass der damals mitgemacht hat, ist klar. Als freier Texter muss ich aber heute keine Angst vor Klassenkloppe haben.

kämpfendes Mädchen
keine Angst vor Klassenkloppe!

Was denkst Du dazu?

Und nun Du: was meinst Du, bin ich zu streng? Verklemmt und zu penibel? Oder siehst du es ähnlich? Ich freue mich auf kontroverse Kommentare!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.