Gratis beta Kurse

Wieder einmal hat meine liebe Business-Freundin Michaela Schächner zur Blogparade gebeten. Wieder einmal mit einem Thema, bei dem ich sehr gespannt auf die verschiedenen Sichtweisen bin. 

Online-Kurse erst einmal als Gratis-Beta-Version laufen zu lassen, um so die Inhalte zu testen und nebenbei die eigene Newsletter-Liste zu füllen, ist beliebt und heiß empfohlen. Aber was genau sind die Vorteile und gibt es auch Schattenseiten dabei? Genau darum geht es in diesem Beitrag.

Was genau sind diese Beta-Kurse eigentlich?

Ein Beta-Kurs ist ein Testlauf. Du hast vielleicht eine geniale Idee für einen Kurs. Du weißt aber nicht, ob die nur für dich genial ist und was deine Kunden zu dem Thema eigentlich wirklich wissen wollen. 

Also entwickelst du erst einmal nur einen groben Fahrplan, holst dir Teilnehmer ins Boot und testest mit ihnen deine Idee. Jede Woche fragst du die Wünsche und Bedürfnisse für das kommende Modul ab und passt die Inhalte entsprechend an. 

So entwickelst du gemeinsam mit deinen Idealkunden den Idealkurs, den du anschließend mit gutem Gewissen verkaufst. Die Inhalte sind getestet, du weißt, wo du noch schrauben und feilen musst. 

Als Gegenleistung geben dir deine Teilnehmer während des Kurses konkretes Feedback und am Ende ein Testimonial, also eine Empfehlung, die du zukünftig für das Marketing des Kurses verwenden kannst. 

Warum macht man das?

Online-Programme oder -kurse zu verkaufen, ist ein ziemlicher Akt. Der Markt ist heiß umkämpft. Einfach nur eine Landingpage und eine Anzeige dazu? Funktioniert in den seltensten Fällen. 

Normalerweise musst du einen ordentlichen „Launch“ hinlegen. Also eine Marketing-Kampagne, um die richtigen Leute auf dein Angebot vorzubereiten und zum Kauf zu führen. So ein Launch schlaucht enorm und kostet auch entsprechend Geld. Denn wenn du nicht auf eine große E-Mail-Liste zurückgreifen kannst, musst du mit Anzeigen Interessenten gewinnen.

Dazu kommt, dass du vielleicht eine geniale Idee für einen Kurs hast, die am Ende aber gar nicht funktioniert. Weil sie nur für dich genial aussieht, am Ende aber komplett an den Bedürfnissen deiner Kundinnen vorbei geht. 

Gratis-Beta-Kurse vereinen also viele Vorteile

  • Da sie gratis sind, wirst du viele Teilnehmer haben. Und die landen automatisch auch in deiner E-Mail-Liste. Eine perfekte Möglichkeit, um List Building zu betreiben und dein Angebot bekannter zu machen. 
  • Vorteil zwei: Du kannst ganz in Ruhe deine Kursidee testen und die Inhalte wirklich perfekt auf deine Kunden anpassen. 
  • Drittens: Durch die Testimonials erhält dein Kurs sofort „social proof“. Wenn ein Interessent auf der Landingpage für den Kurs liest, wie sehr dein Angebot schon anderen geholfen hat, ist die Chance eines Kaufs um ein vielfaches höher. 
  • Viertens: Du verkaufst. Ok, vielleicht 😉 Denn im Anschluss an den Gratis-Kurs unterbreitest du normalerweise ein kostenpflichtiges Angebot, wie deine Teilnehmer weiter mit dir arbeiten können. Als Mentorin bei Sigruns Kickstart habe ich Teilnehmerinnen erlebt, die bei Null angefangen haben und innerhalb von vier Wochen einen super Kurs entwickelt und im Anschluss fünfstellig verkauft haben. Das Prinzip funktioniert also.
  • Last but not least: Wenn du einen tollen Kurs ablieferst, lernen die Teilnehmer dich und deine Art zu coachen lieben. Auch wenn sie selbst kein Angebot bei dir buchen, kann es passieren, dass sie dich an andere weiterempfehlen und du so neue Kunden gewinnst.

Ein allgemeines Win-Win könnte man meinen. Aber ist es wirklich so?

Wie sind meine Erfahrungen?

Ich habe in den letzten Jahren drei dieser Beta-Kurse durchgezogen und zwei Runden des SOMBA-Kickstarts als Mentorin mitbetreut. (SOMBA-Kickstart ist ein Programm meiner Mentorin Sigrun, in dem die Teilnehmer genau das machen: innerhalb von 10 Wochen einen eigenen Online-Kurs erstellen und durchführen) Davor hatte ich keine Ahnung, wie man überhaupt so einen Kurs an den Start bringt. Mittlerweile bin ich in diesem Bereich absolut sattelfest. Ich habe durch diese Beta-Kurse also unheimlich an Erfahrung und Selbstsicherheit gewonnen.

Da das Angebot gratis ist und ich auch klar kommuniziere, dass es sich um einen Testlauf handelt, habe ich zwar schon die Erwartungshaltung an mich selbst, einen perfekten Kurs abzuliefern, brech aber nicht zusammen, wenn ein Video dann doch mal ne halbe Stunde später online geht. 

Und: Es macht wahnsinnig Spaß. Eine große Gruppe (und ich hatte das Glück, jedes Mal mehrere hundert Teilnehmer zu betreuen) bringt einfach eine geniale Dynamik mit. Der Austausch ist unheimlich spannend und ich lerne so meine Zielgruppe immer besser kennen.

Der ganze Prozess ist aber auch wahnsinnig Energie-raubend. Denn es ist schon ein Unterschied, wenn man so ein Gratis-Angebot mit voller Power hinlegt und am Ende des Tages weiß, dass alle Energie und Zeit sich wahrscheinlich (zumindest monetär) nicht wirklich auszahlt. Garantien gibt es nämlich keine.

Ich habe bei jedem Kurs Unmengen dankbarer Mails bekommen, tolle Testimonials und Empfehlungen. Verkauft habe ich danach aber nur sehr bedingt. Eine Aufwand-Nutzen-Rechnung darf ich nicht erstellen. 

Die ersten beiden Male war der Kurs-Input so umfangreich, dass meine Teilnehmer erst einmal keinen weiteren Bedarf hatten. Denn sie waren ja noch damit beschäftigt, den Beta-Kurs zu implementieren. Beim dritten Mal gab es andere, persönliche Gründe, warum ich den Anschluss nicht erwischt habe. 

Und ja, das zieht dann erstmal so richtig runter. Volle Power rein, ganz viel in dieser Zeit, was hintenüber fällt und am Ende des Tages: Nichts.

Aber so wirklich stimmt das auch nicht. Ja, ich hab nicht wirklich damit verdient. Aber viel mitgenommen

Meine Newsletter-Liste ist in den letzten Jahren vor allem über die Kurse (und mein Freebie) gewachsen

Meinen einen Beta-Kurs habe ich zu einem Selbstlern-Angebot weiterentwickelt, dass vollautomatisch läuft. Ich muss hier also keine weitere Energie reinlegen, sondern kann diesen Kurs direkt verkaufen. (Content 2 Go – Blog-, Newsletter- und Social Media Inhalte so planen, dass sie wirklich auf dein Business einzahlen)

Und den letzten Kurs (den mit den Freebies) werde ich schon bald wieder anbieten. Angepasst und aufgehübscht. Auch hier bin ich sehr zuversichtlich, dass ich den vernünftig unter die Leute kriege und diesen Kurs zu meinem sogenannten Signature-Program werden könnte, also einem Kurs, den ich immer wieder anbieten kann.

Und ja, die ganze Kurse-rei hat meine Sichtbarkeit erhöht. Ich werde wahrgenommen und erhalte regelmäßig Kundenanfragen, die ich ohne diesen ganzen Aufwand wahrscheinlich nicht bekommen hätte.

Was halte ich persönlich von Gratis-Beta-Kursen?

In meinen Augen ist das Ganze ein sehr zweischneidiges Schwert.

Thema Geld verdienen

Viele denken: Ich leg da mal so nen Beta-Kurs hin und dann kommt automatisch die dicke Kohle. Und sind dann zutiefst enttäuscht, wenn es nicht funktioniert. 

Online-Business ist ein Lernprozess. Und nur weil ein paar wenige sofort Erfolg haben, muss das nicht für alle gelten. Wenn du also überlegst, auf diesem Wege sofort Umsätze zu generieren, dann kann ich nur warnen: Die Chance ist nicht wirklich hoch. Es braucht Zeit und Erfahrung. 

Thema Mindset

Wenn du viele Teilnehmer hast und tolles Feedback bekommst, ist das etwas wirklich Geniales. Wenn im Kurs aber Flaute herrscht und keiner so richtig mitmacht, kann das schon arg entmutigen.

Dabei muss das nichts mit deinem Angebot zu tun haben. Vielleicht läuft einfach nur gerade irgendwo ein anderes Angebot von jemanden, der schon viel mehr Reichweite hat. 

Was machen diese Kurse mit dem Markt

Allein beim letzten SOMBA-Kickstart sind zeitgleich über 300 Beta-Kurse aus allem möglichen Bereichen an den Start gegangen. Da ist die Gefahr natürlich groß, sich gegenseitig ein wenig zu kannibalisieren. Teilnehmer melden sich für fünf oder sechs Programme gleichzeitig an und sind dann nicht in der Lage, einem der Kurse wirklich zu folgen. Hilft weder der Teilnehmerin noch der Kursanbieterin. 

Dazu kommt: Wenn du dummerweise mit deinem Launch für einen kostenpflichtigen Kurs in die Bewerbungsphase fällst, sind die Chancen geringer, zu verkaufen. Denn warum sollte jemand bei dir Geld hinlegen, wenn zeitgleich ein kostenfreier Kurs zum gleichen oder ähnlichen Thema läuft? 

Diese Erfahrung musste eine Freundin von mir machen. Ja, sie hat verkauft. Wäre sie aber zu einer anderen Zeit an den Start gegangen, wäre es sicher noch besser gelaufen. 

Thema „Freebie-Hunter“

Wie ein Freebie funktioniert, habe ich ja schon weiter oben erklärt. Es gibt natürlich einige, die diese Gratis-Angebote mitnehmen, sich dann aber bald wieder aus deiner Liste abmelden, weil sie nie vorhatten, irgendwann mal bei dir zu kaufen. Sie sammeln nur fleißig Gratis-Angebote ein. Wie die Leute auf der Messe, die an allen Ständen die Kugelschreiber mitnehmen.

Bei einem Freebie tut das nicht ganz so weh. Das ist fertig und kostet ja nicht ganz so viel Aufwand.

Beta-Kurse sind aber auch eine Art Freebie. Sehr, sehr aufwändige Freebies. Und da ist es schon ärgerlich, wenn klar ist, dass Teilnehmer nur dabei sind, weil es eben gratis ganz viel gibt.

Versteh mich nicht falsch. Ich habe auch Teilnehmerinnen, die immer wieder in meine Beta-Kurse kommen und klar sagen: „Danke, danke, danke. Ich könnte das im Moment nie bezahlen, so lerne ich aber trotzdem ganz viel“. Und da habe ich dann gar kein Problem damit. Denn diese Teilnehmerinnen sind die, die mir wirklich wertvolles Feedback geben und auch sonst meine Angebote teilen und empfehlen. 

Ärgerlich sind die, die immer nur abgreifen, dann aber nicht einmal ein paar nette Zeilen hinbekommen. Hey, diese Kurse kosten Kraft und enthalten wahnsinnig viel Input. Da kann man doch wenigstens mal seinen Teil des Deals einhalten und sein Testimonial dalassen.

Mein Fazit

Es ist schwierig.

Gratis-Beta-Kurse sind ansich eine tolle Sache. Sie geben dir die Chance, Reichweite zu erhalten, neue Abonnenten in deinen Newsletter zu holen, zu verkaufen und vor allem: zu lernen. Aber sie tragen auch viele Risiken in sich. Und ja, sie machen den Markt ein Stück weit kaputt. 

Ich werde wahrscheinlich in diesem Jahr kein weiteres Angebot in dieser Art raushauen. Ich muss meine Energie gut steuern, da sonst alles zu viel wird. Mein Fokus liegt also darauf, die bereits vorhandenen Angebote gut zu verkaufen und vielleicht auch mal neue Sachen zu testen. 

Aber nicht gratis, sondern lieber zu einem reduzierten Einführungspreis. Das funktioniert nämlich auch ganz gut. 

Und ich muss ganz genau planen, wann ich meine Bezahl-Kurse an den Start bringe. Damit sie eben nicht genau in die Phase fallen, wenn alle anderen gerade wieder Gratis-Content raushauen. 

Wie ist deine Meinung dazu? Gibt es zu viele dieser Angebote? Machen wir uns selbst den Markt damit kaputt? Oder setzt sich Qualität am Ende doch durch?

Eine Meinung zu “Gratis Beta-Kurse, Fluch oder Segen?

  1. Ich bin ähnlicher Meinung wie du. Problematisch ist sicherlich auch, dass die kostenlosen Angebote den Markt mittlerweile überschwemmen. Die findigen Teilnehmer wissen das und springen von Gratisangebot zu Gratisangebot. Warum noch zahlen?

    Ein Energieausgleich ist da nicht gegeben. Ein halbherziges Testimonial von einem Gratisteilnehmer rettet den Erfolg des Projekts auch nicht mehr. Wertvolle Leistung darf und sollte Geld kosten. Das betrifft auch Betakurse.

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